smart #3 BRABUS
- Baujahr: 2024
- Nutzbare Batteriekapazität: 62 kWh
- Maximale Ladeleistung: DC 150 kW
Smart vermarktet den #3 BRABUS als Hochleistungssportler mit außergewöhnlicher BRABUS-DNA. Im Alltag enttäuscht das Modell jedoch – und das nicht nur beim Thema Sportlichkeit.
Der smart #3 ist das zweite gemeinsam von Mercedes-Benz und Geely entwickelte Fahrzeug, wobei sich Mercedes-Benz für das Design verantwortlich zeichnet und Geely die Plattform stellt. Außer dem bekannten Markennamen und dem Verkauf über die Mercedes-Benz-Partner erinnert bei dem SUV-Coupé jedoch nichts mehr an den traditionellen smart fortwo, der die Marke 24 Jahre lang als Zweisitzer prägte.
Der smart #3 wird in Changxing, China produziert und basiert auf der von Geely im Dezember 2020 vorgestellten SEA-Plattform (SEA = Sustainable Experience Architecture). Sie steht allen Geely-Marken offen und wird unter anderem auch vom Volvo EX30 sowie vom Zeekr X genutzt.
Der Heckmotor des smart #3 BRABUS leistet 272 PS bzw. 200 kW. Der Frontmotor liefert zusätzliche 156 PS (115 kW). Damit kommt das allradgetriebene Modell auf eine Gesamtleistung von 428 PS (315 kW) und beschleunigt von 0 auf 100 km/h in 3,7 Sekunden. Der NCM523-Hochvoltakku von CATL hat einen nutzbaren Energieinhalt von 62 kWh und kann AC mit bis zu 22 kW und DC mit bis zu 150 kW nachgeladen werden.
Detailbewertung von Voltvehikel,
Die Technischen Daten versprechen eine Menge Fahrspaß. In der Praxis sorgt der smart #3 aber auch für viel Frust: Die volle Leistung steht nur bei einem Batterieladestand von über 80 Prozent zur Verfügung und auch nur dann, wenn sich das Fahrzeug im BRABUS-Modus befindet. Wer entspannt im ECO-Modus fährt und spontan voll beschleunigen möchte, muss zuvor umständlich über den Infotainment-Bildschirm in den BRABUS-Modus wechseln. Zudem wird bei sportlicher Fahrweise die Leistung schnell von 428 PS (Peak-Leistung) auf nur 158 PS (Dauerleistung) reduziert. Auf dem Nürburgring ist der Leistungsverlust bereits nach etwa einer halben Runde deutlich spürbar. Obwohl der BRABUS-smart beachtliche 428 PS leistet, bremst ihn die elektronische Abriegelung bei 180 km/h aus. Damit reiht er sich im Vergleich zu anderen sportlichen Elektrofahrzeugen eher bei den langsameren Modellen ein.
Performance-Bremsen? Ein speziell abgestimmtes Sportfahrwerk? Zusätzliche Stabilisatoren? Tieferlegung? Alles Fehlanzeige! Wer vom leistungsstärksten #3 ein agiles Kurvenverhalten, eine direkte Lenkung sowie eine präzise Dosierbarkeit der Bremsen erwartet, wird vom smart #3 BRABUS enttäuscht. Zwar bietet er viel Leistung auf der geraden Strecke, sobald die erste engere Kurve kommt, merkt man aber schnell, dass hier kein Hochleistungssportler sondern ein eher komfortorientiertes SUV-Coupé am Werk ist.
Schon ein leichtes Antippen des Pedals führt zu einer ruckartigen Beschleunigung, während beim Lupfen abrupt die Rekuperation einsetzt. Eine radargesteuerte Rekuperation wie beim smart EQ fortwo oder den elektrischen Modellen von Mercedes-Benz gibt es beim smart #3 nicht.
Als wäre das nervöse Strompedal nicht schon anstrengend genug, stressen auch die Assistenzsysteme. Moderne Autos sind heutzutage vollgestopft mit Sensoren – und der smart #3 ist da keine Ausnahme. Allerding ist die Software-Abstimmung übervorsichtig und bevormundend ausgelegt. Warnungen zum Tempo erfolgen sowohl optisch und als auch akustisch. Die Aufmerksamkeits- und Müdigkeitswarnung schlägt bereits Alarm („Bitte blicken Sie nach vorne“), wenn man nur kurz auf das Infotainment-Display schaut. Statt sanft zu korrigieren greift der Spurhalteassistent sehr abrupt und ruppig in die Lenkung ein, selbst wenn man man sich der Fahrbahnmarkierung nur leicht nähert. Über ein eigenes Fahrerprofil kann die Sensibilität der Assistenten zwar angepasst oder deaktiviert werden, diese Einstellungen müssen jedoch vor jeder Fahrt neu aktiviert werden.
Nervig ist zudem, dass vor jeder Fahrt der Startbildschirm erscheint, obwohl das Fahrerprofil im Fahrzeug gespeichert ist. Apropos Startbildschirm: Das mittlere Display benötigt zum Hochfahren rund eine Minute und damit deutlich länger als in anderen E-Autos. Das nervt nicht nur beim Losfahren, sondern auch beim Beenden des Ladevorgangs, denn beim smart #3 kann der Ladestecker nur über den Infotainment-Bildschirm oder die Hello smart App entriegelt werden.
Smart liefert den #3 standardmäßig mit nur einem physischen Schlüssel aus. Alternativ lässt sich das Smartphone per Bluetooth als digitaler Schlüssel nutzen. In der Praxis funktioniert das jedoch nicht immer zuverlässig.
Das Design wirkt gefällig, besitzt jedoch wenig Wiedererkennungswert. Ebenso gut könnte der smart #3 als ein Modell von BYD durchgehen, zumal die meisten Leute bei smart immer noch an den kultigen Zweisitzer denken. Im Interieur erkennt man deutlich die Handschrift der Mercedes-Benz-Designer. Die wuchtige Brücken-Mittelkonsole und die drei runden Lüftungsdüsen in der Mitte des Armaturenbretts vermittelt ein typisches Cockpit-Gefühl, wie man es von aktuellen Mercedes-Benz Modellen kennt. Das sorgt im Innenraum zwar für ein schickes Premium-Ambiente, raubt der Marke aber auch die Originalität und verspielte Kreativität seiner Vorgänger.
Der smart #3 bricht radikal mit allem, was die Marke mal ausgemacht hat. Während der smart fortwo ein klassenloses Auto für Individualisten war, das bei seinem Debüt 1997 auf der IAA in Frankfurt mit seinem geringen Parkplatzbedarf die urbane Mobilität revolutionieren wollte, richten sich die neuen Kompakt-SUV #1 und #3 an den Mainstream.
Im Alltag stört bei der BRABUS-Variante vor allem das nervös reagierende Strompedal, das dem Fahrer offenbar ständig die Leistungsfähigkeit des Wagens vor Augen führen soll. Ein harmonisches Fahrgefühl ohne Ruckeln gelingt nur bei besonders behutsamer Bedienung des Pedals. Zudem trüben die überempfindlichen Warnsysteme sowie der hohe Autobahnverbrauch den Fahrspaß: Während im Mix der Verbrauch mit rund 19 kWh/100 km im Rahmen liegt, verbraucht der smart #3 BRABUS bei 180 km/h mehr als 36 kWh/100 km. Dann muss das SUV-Coupé schon nach 170 km zum Nachladen und man verbringtam Ende mehr Zeit an der Ladesäule als auf der linken Spur.
Der stärkste smart #3 ist ein schickes Allrad-SUV-Coupé mit Premium-Ambiente und optischen Akzenten von BRABUS. Wer jedoch den minimalistischen Geist vergangener smart Fahrzeuge oder die kompromisslose Performance von BRABUS-Modellen sucht, wird enttäuscht.
Quelle: Herstellerangaben sowie aus den Daten des Herstellers ermittelte Werte. 1Je nachdem, was zuerst eintritt.